Törggelen

Seien wir ehrlich: Würde eine Beliebtheitsliste der Monate erstellt, würde der Oktober wohl irgendwo auf den letzten Plätzen rangieren. Nicht so bei uns in Südtirol. Hier in Dorf Tirol ist der Oktober meist noch warm, das Wetter ist stabil, die Luft so klar wie sonst selten im Jahr. Und dazu kommt noch die Herbstfärbung, die die Wälder auch schon einmal im Goldgelb der Lärchen erstrahlen lässt. Herrlich!

Kurz: Der Herbst – Oktober speziell – ist in Südtirol ebenso angenehm wie spektakulär.

Das liegt auch (und nicht zuletzt) an einer Tradition, die für einen ganz besonderen herbstlichen Genuss sorgt: am Törggelen. Glauben Sie mir: Es ist kein Wunder, dass sich dieser Nach-Ernte-Brauch nicht nur schon seit Jahrhunderten hält, sondern mittlerweile ein ganzes Land erfasst hat – nicht nur die Bauern.

Was ist Törggelen?

Wenn man bei uns Touristen auf den Arm nimmt, bestellt man „einmal Törggelen, bitte“, denn Törggelen ist kein Gericht, sondern ein Brauch, der wohl auf die Feiern zum Ernteschluss zurückgeht. Damals haben sich Bauern und Erntehelfer einiges von dem gegönnt, was Felder, Wälder, Äcker und Weinberge hergegeben haben.

Der Name selbst kommt aus dem Lateinischen. Darin bezeichnet das Wort „torculum“ die Weinpresse, die man in Südtirol auch heute noch unter dem Namen „Torggl“ kennt.

Ihr Produkt, der neue, süße, kaum vergorene Wein, steht demnach auch im Mittelpunkt des Törggelens. Rund um ihn herum werden zudem traditionelle Speisen serviert. So kann man etwa mit einer Gerstensuppe einsteigen, arbeitet sich dann zu einer Schlachtplatte durch, auf der man Würste, geselchtes Fleisch, Blutwürste und dazu Knödel und Kraut findet, um schließlich bei Krapfen und Keschtn zu landen.

Keschtn? Das ist das Südtiroler Wort für Kastanien, die zum Abschluss des Törggelens nicht fehlen dürfen. Auf offener Flamme gebraten und vom neuen Wein begleitet, sind sie ein Hochgenuss, dessen unverkennbares Aroma wie nichts anderes für das Törggelen steht.

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Törggelen in der Familie

Wer übrigens glaubt, getörggelet werde nur unter Touristen, täuscht sich gewaltig. Auch für uns Südtiroler ist das Törggelen ein Muss. Man trifft sich dazu mit lieben Menschen in der Stube eines Hofes und genießt das Essen, das Trinken und die Gesellschaft.

In unserer Familie ist das nicht anders, im Gegenteil: Wir haben das Glück, mit der von meiner Schwester Sonja und ihrem Mann geführten Leitenschenke in Tscherms ein Top-Törggelelokal in der Familie zu haben. Hier treffen wir uns Jahr für Jahr zum vollen Törggele-Programm – von der Suppe bis zur Keschte.

Also: Auf zum Törggelen und nie mehr wieder: „einmal Törggelen, bitte“!

Comments
  • Regina Bellmann
    Antworten

    Hallo Familie DeDea , Hallo Lisa,

    es ist immer schön von Euch zu lesen. Wir denken oft an die vielen schönen Urlaubstage,
    auch wenn wir diesmal nicht so schönes Wetter hatten. Bei Euch im Hotel zu sein, das muß einfach sein. Wir denken oft daran.
    Wie geht es Euch? Wir hörten ja schreckliche Nachrichten von Italien und auch der Brenner Region.
    Hoffentlich seid Ihr nicht so vom schlechten Wetter betroffen.
    Bei uns ist hier alles so weit in Ordnung.
    Wir werden alle Berichte und Neuigkeiten von Euch verfolgen.
    Bald habt Ihr auch Urlaub. Ihr habt es Euch verdient.
    Bleibt schön gesund und erholt Euch von der vergangenen Saison gut.

    Liebe Grüße aus Chemnitz

    W. Und R. Bellmann 😊🌥🌸

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