20 + C + M + B + 19: Wer kennt das Geheimnis der Sternsinger in Südtirol?

Wie überall sonst ist die Zeit zwischen Weihnachten und Dreikönig, die Zeit des Jahreswechsels also auch in Südtirol eine ruhige Zeit, in der der Alltag mit halber Geschwindigkeit abzulaufen scheint und man die Tage am liebsten im Kreise der Familie verbringt. Es ist allerdings auch die Zeit, in der an Südtirols Haustüren geheimnisvolle Kreideschriften auftauchen. Vier Ziffern, drei Buchstaben und dazwischen eine Reihe von Kreuzen: Was hat es mit dieser Inschrift auf sich, die das ganze Jahr über auf Türstöcken und Türen im ganzen Land zu sehen ist? Was verbirgt sich hinter der geheimnisvollen Formel 20 + C + M + B + 19? Wer dem Geheimnis auf den Grund gehen will, muss zunächst einmal einen Zeitsprung machen. Und sich mit einer langen Tradition beschäftigen.

Die Ursprünge des Sternsingens in Südtirol

Diese lange Tradition findet ihren Ursprung im 14. Jahrhundert, in einer Zeit der Krise und des Umbruchs in ganz Europa. Einer Zeit, in der über all die gesellschaftlichen Veränderungen hinaus auch noch das Klima verrückt zu spielen scheint, hat man doch mit der so genannten Kleinen Eiszeit zu kämpfen. Die Durchschnittstemperaturen sind weit tiefer als gewohnt, in den Bergen die Gletscher auf dem Vormarsch. Dazu hat der Schwarze Tod den alten Kontinent fest im Griff. Die Pest tötet fast ein Drittel der damaligen Bevölkerung und wer sie überlebt, hat meist unter den verheerenden Folgen von Krieg, Plünderung und Verfolgung zu leiden.

Es ist in dieser dunklen Zeit, in der man ein Zeichen der Hoffnung setzen will: mit dem Sternsingen. Wie, wo und wann genau die Tradition der Sternsinger entstanden ist, darüber gibt es heute keine Aufzeichnungen mehr. Man weiß nur, dass irgendwann im 14. Jahrhundert Gruppen von Kindern als Heilige Drei Könige verkleidet und Weihnachtslieder singend den Stern von Bethlehem von Haus zu Haus tragen. Es soll ein Zeichen der Hoffnung und des Friedens sein

gennaio-2019-4
gennaio-2019-6

Als solches hat sich die Tradition des Sternsingens bis heute erhalten. Wie in Deutschland, der Schweiz und Österreich, aber auch in Alaska, in Finnland, in Mexiko oder Norwegen machen sich deshalb Kinder und Erwachsene auch in Südtirol Jahr für Jahr auf, um im Kostüm der Heiligen Drei Könige an die Türen zu klopfen, Kreide und Weihrauch zu bringen und Spenden für notleidende Kinder in aller Welt zu sammeln. Auch die Gaben der Sternsinger haben dabei eine lange Tradition. Der Weihrauch wird in einen Topf glühender Kohlen geworfen, mit dem die ganze Familie am Vorabend des Dreikönigsfestes betend durchs Haus zieht, um es zu segnen und vor allem Bösen zu schützen. Den selben Zweck verfolgt die anfangs erwähnte Inschrift, die mit Kreide auf dem Türstock verewigt wird: 20 + C + M + B und die letzten zwei Ziffern des neuen Jahres.

Die allermeisten sind der Meinung, die drei Buchstaben stünden für die Initialen der Heiligen Drei Könige, für Caspar, Melchior und Balthasar also. Das stimmt aber nur halb. Sie stehen nämlich auch für den Segensspruch “Christus Mansionem Benedicat”, also für “Christus segne dieses Haus”.

Willkommene Besucher

Als Kind hat mich die Kreideschrift auf den Türstöcken immer schon fasziniert, meine Mutter Brigitte hat mir dann erklärt, wofür sie steht und was hinter dem Brauch des Sternsingens steckt. Gut so, denn nun kann auch ich Fragen zu den geheimnisvollen Kreidezeichen beantworten. Und gut auch deshalb, weil mich die Kreidezeichen seither immer daran erinnern, mit wie viel Glück wir doch gesegnet sind, in sicheren, glücklichen Zeiten zu leben. Und in einem Land, das an seinen Traditionen festhält ohne deshalb den Blick nur nach hinten zu richten, anstatt in Richtung Zukunft.

Leider muss ich hier abbrechen. Es hat an der Tür geläutet und ich glaube ich weiß, wer davor steht. Schließlich hört man schon die ersten Klänge eines Weihnachtsliedes…

Showing 2 comments
  • Jutta Kleinbauer
    Antworten

    Eine schöne Tradition. Auch unsere große Enkelin – 8 Jahre alt – ging in diesem Jahr wieder als einer der drei hl. Könige in ihrem Heimatort von Tür zu Tür, um für arme Kinder zu sammeln. Über die erhaltenen Süßigkeiten hat sie sich natürlich auch gefreut!😊 Ihr macht es großen Spaß, auch bei schlechtem Wetter!

  • Lisa
    Antworten

    Oh – wie schön! Das glaub ich, dass sich Ihre Enkelin über die Süßigkeiten gefreut hat… 🙂
    Schon toll, wenn Tradition so lange erhalten bleibt und schon die Kleinsten Freude daran finden. Ganz liebe Grüße von uns allen, liebe Frau Kleinbauer!

Lass einen Kommentar

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.