Krampusse: Die erschreckendsten Südtiroler

Wer ist der erschreckendste Südtiroler? Ötzi fällt in die engere Wahl, schließlich ist er nicht der Hübschesten einer, aber er hat doch einen gewissen Niedlichkeitsfaktor. Der fehlt bei den zweiten Kandidaten um den Titel des erschreckendsten Südtirolers völlig: den Krampussen.

Ihr Monat ist der Dezember. Einst Begleiter des Heiligen Nikolaus haben sich die Krampusse heute verselbständigt und ziehen allein durch die Straßen und Gassen der Südtiroler Dörfer: begleitet nur vom Rasseln der Ketten, vom Klappern der Hufe auf dem Kopfsteinpflaster und einem strengen Schwefelgeruch – behaupten zumindest die, die’s ganz genau wissen wollen.

Wer ist eigentlich der Krampus?

Wer einmal einen Krampus zu Gesicht bekommen hat, ist sich sicher: der Krampus ist ein Sinnbild des Teufels. Er ist der Widerpart des Heiligen Nikolaus, derjenige, der auf die Kinder wartet, die nicht artig waren. Aber ist es auch wirklich so? Nicht ganz…

Krampusse gibt es im süddeutschen Raum schon länger als die katholische Religion, aber wie so viele Traditionen hat sie sich die Religion im Laufe der Jahrhunderte einverleibt. Einst war der Krampus ein Wesen der Nacht, das die Gefahren repräsentierte, die im Dunkeln lauern. Er war damit auch ein Sinnbild der langen Winternächte, die erst durch den aufziehenden Frühling vertrieben werden.

Weil die Angst vor diesem Wesen so tief saß, dass sie auch der neue Glauben nicht ausmerzen konnte, hat dieser den Krampus kurzerhand umgedeutet. Und in Ketten gelegt. Schließlich wird er von da an von einem Heiligen begleitet, der ihn in die Schranken weist. Und den Menschen den Weg zum Licht.

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Die Krampusläufe

Die Nacht vom 5. auf den 6. Dezember, die Nacht vor dem Tag des Heiligen Nikolaus also, gehört seither den Krampussen, die Ruten schwingend und Gesichter mit Kohle schwärzend durch die Straßen und Gassen ziehen – manchmal in kleinen Gruppen, heute in Südtirol aber viel öfter in großen Krampusläufen oder Nikolausumzügen, in denen man die schaurigsten Masken bewundern kann. Sie gehören zu den aufwändigen Krampuskostümen, die mit Tierfellen, Schellengürteln, Ruten und Hörnern komplettiert werden.

Auch wenn man weiß, dass hinter alledem nur ein Mensch steckt: Angst machen sie einem trotzdem.

So genießt man es umso mehr, wenn am Ende des Umzugs der gute Mann mit dem großen Sack aufmarschiert, aus dem er die Kinder mit Mandarinen, Keksen und Nüssen beschenkt. Es ist auch hier der Sieg des Guten gegen das Böse, der seit Jahrhunderten zelebriert wird. In einer einmaligen Südtiroler Winteratmosphäre.

Also: Nehmen Sie allen Mut zusammen, besiegen sie die Angst vor den dunklen Gestalten und freuen sie sich auf den Nikolaus!

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