Die Haflinger, ein paar ganz besondere Blondinen

Blond ist die Haarfarbe, die im Sommer Südtirols Almwiesen und Weiden ziert. Nein, wir reden nicht von den Sennerinnen, sondern von ein paar ganz besonderen Blondinen, die zum Symbol unseres Landes geworden sind: von den Haflingern. Früher kurzbeinige, stämmige Arbeitspferde sind sie heute nach jahrzehntelanger Zuchtarbeit zu geduldigen, gutmütigen Freizeitpferden geworden. Und zum Stolz ihrer Züchter.

Die Geschichte der Haflinger

Der Tschögglberg, der Bergrücken, der das Burggrafenamt nach Norden hin begrenzt, gilt als Wiege der Haflinger. Ihr Namen leitet sich vom Dorf Hafling ab, das ein paar Kilometer oberhalb von Meran liegt und so etwas wie das Tor zum Tschögglberg bildet. Hier wurden schon vor Jahrhunderten kleine, geländegängige, muskulöse und genügsame Pferde zur Arbeit auf den Feldern, in den Wäldern und auf den Almwiesen herangezogen. Eine dieser für die Bauern wertvollen Gebirgsstuten wurde in den ersten 1870er-Jahren mit einem Araberhengst gepaart. Das Ergebnis war der erste Haflingerhengst namens Folie, von dem heute nachweislich alle existierenden Haflinger abstammen.

Folie war eine für Südtirols nahezu ideale Kreuzung. Von seiner Mutter hatte er das robuste Wesen und das Geschick im Gelände geerbt, von seinem Vater die Eleganz eines Araberhengstes. Diese Eigenschaften machten sich die Bauern zunutze, indem sie die Nachkommen von Folie als wendige, gutmütige, anspruchslose Pack- und Arbeitspferde einsetzten. Erst sehr viel später entwickelte sich der Haflinger zum Reitpferd, das heute – vor allem wegen seiner Gutmütigkeit – auch bei Anfängern und im Bereich des pädagogischen Reitens sehr beliebt ist.

Die Haflingerzucht ist heute im ganzen Land vor allem ein Hochhalten der Tradition, eine Passion und nicht zuletzt ein Statussymbol. Reinrassige Pferde ziert das Brandzeichen mit dem Edelweiß und dem “H” in dessen Mitte, die Züchter sind im Haflinger Pferdezuchtverband organisiert.

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Einen Tag mit Haflingern unterwegs

So viel Geschichte, so viel Tradition sind beeindruckend. Und doch: Was wirklich zählt, ist der Spaß, den ein Ausritt auf dem Rücken eines Haflingers macht, und zwar auch dann, wenn man nicht besonders gut reiten kann. Ich habe mir vor ein paar Tagen einen solchen Ausritt gegönnt, habe den Stecker gezogen und mich von der Ruhe meines Pferdes anstecken lassen. Eine Blondine und ich: Was für ein Paar!

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